Kein Puppenspieler lernte so viele bedeutende Leute seiner Zeit kennen, wie der Mechanikus Johann Georg Geisselbrecht (1762-1826). Er spielte zwischen 1799 und 1826 vor gekrönten und noch zu krönenden Häuptern wie den Herzogen von Sachsen-Meiningen und Sachsen-Gotha, den Großherzögen von Mecklenburg-Schwerin und Sachsen-Weimar-Eisenach und dem König von Preußen und seiner Familie, darunter dem späteren Kaiser Wilhelm I.
Nach Geisselbrechts Tod wurde sein Theater von Ludwig Bechstein und einigen seiner Freunde erworben, die Textbibliothek ließ der Weimarer Erbgroßherzog Carl Friedrich durch Goethes Schwager, den Bibliothekar Vulpius, ankaufen. Während die Marionetten als Vogelscheuchen endeten, werden die handschriftlichen Textbücher heute sorgsam im Weimarer Goethe- und Schiller-Archiv verwahrt. Es entstanden Legenden über ihn, die die reale Person überdeckten. Plötzlich galt er als wunderlich und als gescheiterter Modernisierer. Dabei war er genau das Gegenteil. Er war ein Mensch, der sehr realistisch in die Welt schaute. Sein Kasper traf den Nagel auf den Kopf, auch wenn dies für manche unangenehm war.
Grundlage des Vortrags ist die vierzigjährige Beschäftigung des wissenschaftlichen Leiters der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Lars Rebehn, mit diesem „Puppenspielgenie“. Eingeladen wird vom Verein „Freunde der Puppentheatersammlung Dresden e.V.“.
Wer mag, kann sich zuvor ein paar der echten Kasper in der Dauerausstellung der Puppentheatersammlung anschauen, die an diesem Tag bis 18 Uhr geöffnet ist. Direkt im Anschluss beginnt der Einlass zum Vortrag.
Seit 2021 steht der Kasper und sein Spielprinzip auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Deutschland. Gegenwärtig gibt es Bestrebungen, die lustige Figur des europäischen Handpuppentheaters zum immateriellen Weltkulturerbe zu machen.
„Johann Georg Geisselbrecht – ein Puppenspielgenie der Goethezeit“
Eintritt frei!
Donnerstag, 7. Mai 2026 – 18.30 Uhr (Einlass 18 Uhr)
Puppentheatersammlung, Kraftwerk Mitte, Dresden
Weitere Infos: www.puppentheaterfreunde.de und www.skd.museum