Sachsens Steuerberaterverband setzt beim Neujahresempfang Impulse

Steuerberaterverband-Neujahrsempfang

Praxistaugliche Gesetze, verlässliche Digitalisierung und echte Steuervereinfachung gefordert

Zum Neujahrsempfang 2026 des Steuerberaterverbandes Sachsen e.V. wurden die politischen und administrativen Rahmenbedingungen für den Berufsstand deutlich kritisiert. Während der Staat immer neue Pflichten, Verfahren und Fristen etabliert, werden Umsetzbarkeit, Personalbedarf und Haftungsfolgen in der Praxis häufig erst nachgelagert berücksichtigt. Die Folge seien dauerhaft hohe Zusatzaufwände in den Kanzleien mit spürbaren Auswirkungen auf Arbeitsbelastung, Fachkräftesicherung und die reibungslose Erfüllung steuerlicher Pflichten. Hans Joachim Kraatz, Präsident des Steuerberaterverbandes Sachsen, betont, dass es nicht um Konfrontation geht, sondern um Verlässlichkeit: „Wir tragen die Verantwortung für Unternehmen, für Beschäftigte, für pünktliche Erklärungen und saubere Prozesse. Dafür brauchen wir Rahmenbedingungen, die planbar sind und Verfahren, die funktionieren. Nicht erst in der Theorie, sondern im Alltag.“

In der Praxis sichern Steuerberaterinnen und Steuerberater nicht nur die Abgabe von Erklärungen und die korrekte Umsetzung steuerlicher Pflichten ab. Sie kompensieren zunehmend Unklarheiten in Gesetzgebung und Verwaltungspraxis, erklären Regelungen, die noch nicht hinreichend ausdefiniert sind, und organisieren Übergänge, wenn Fristen, Formate oder Systeme kurzfristig geändert werden. Gerade dort, wo kurzfristige Umstellungen erfolgen oder Verwaltungsanweisungen zeitlich hinterherlaufen, bleibt der zusätzliche Koordinations- und Dokumentationsaufwand in den Kanzleien hängen. Auf diese Weise übernimmt die Steuerberatung eine zentrale Rolle für die Funktionsfähigkeit des Steuersystems.

Zweifelsfrei kann die Digitalisierung Prozesse vereinfachen. Allerdings nur, wenn Systeme stabil, praxiserprobt und durchgängig nutzbar sind. In vielen Fällen erleben Kanzleien jedoch das Gegenteil: Verbindliche Einführungen treffen auf technische Störungen, unklare Schnittstellen, Medienbrüche und erhöhten Supportbedarf. Gleichzeitig gelten Fristen unverändert, und die Verantwortung für fristgerechte Abgaben bleibt bestehen. Kraatz brachte es so auf den Punkt: „Unfertige Systeme werden verpflichtend eingeführt. Technische Probleme gelten als Randnotiz, Haftung und Fristen aber als gesetzt. Digitalisierung ohne Funktion ist kein Fortschritt, sondern organisierter Mehraufwand.“

Die wachsende Komplexität trifft auf einen spürbaren Fachkräftemangel. Viele Kanzleien haben Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen oder erfahrene Mitarbeitende langfristig zu halten. Attraktivität entsteht nicht allein über das Berufsbild, sondern über realistische Workloads, verlässliche Prozesse und planbare Peak-Phasen. Wenn ständig kurzfristige Änderungen, neue Pflichten und unklare Verfahren hinzukommen, wird Personalbindung schwieriger. Zugleich steigt das Risiko, dass Servicequalität und Bearbeitungszeiten unter Druck geraten.

Vor diesem Hintergrund hat der Verband beim Neujahrsempfang fünf zentrale Erwartungen formuliert, die aus Sicht des Steuerberaterverbandes Sachsen Voraussetzung dafür sind, dass der Berufsstand seine Aufgaben weiterhin zuverlässig erfüllen kann:

1. Praxisprüfung vor Gesetzgebung: Neue Pflichten dürfen erst eingeführt werden, wenn Umsetzbarkeit, Auslegung und Zeitbedarf in der Praxis geprüft sind – inklusive klarer Anwendungsregeln und realistischer Übergangsfristen.
2. Verlässliche Digitalisierung: Digitale Verfahren müssen stabil, praxistauglich und haftungssicher sein, bevor sie verpflichtend werden.
3. Bürokratieabbau, der ankommt: Melde-, Dokumentations- und Berichtspflichten müssen spürbar reduziert werden – nicht nur punktuell, sondern auch strukturell.
4. Faire Haftungsregeln: Wenn Aufgaben faktisch verlagert werden, müssen Verantwortung, Fristen und Haftungsrisiken angemessen geregelt und begrenzt sein.
5. Strategie für Fachkräfte: Es braucht verbindliche Maßnahmen zur Fachkräftesicherung, um Arbeitsfähigkeit, Qualität und Service für Steuerpflichtige zu erhalten.

Neben den Erwartungen an Rahmenbedingungen hat der Steuerberaterverband Sachsen sechs konkrete Reformansätze für eine echte Steuervereinfachung benannt. Der Verband verweist darauf, dass Vereinfachung seit Jahren politisch angekündigt werde, die tatsächliche Komplexität aber weiter steige. Entlastung müsse deshalb an den zentralen „Komplexitätstreibern“ ansetzen: weniger Ausnahmen und Sonderregelungen, eine stärkere Vereinheitlichung von Freibeträgen und Pauschalen, der Abbau von Aufzeichnungs- und Dokumentationspflichten, klarere und stabilere Steuergesetze, Vereinfachungen im Unternehmens- und Umsatzsteuerrecht sowie mehr Vertrauensschutz und Pauschalierung statt kleinteiliger Dauerprüfung.

Für 2026 steht damit ein klares Ziel im Raum: Regeln und Verfahren müssen wieder so gestaltet werden, dass sie in der Praxis handhabbar sind, für Kanzleien, Mandanten und Verwaltung gleichermaßen. Kraatz betont den Willen zum konstruktiven Dialog, verbunden mit der Erwartung, dass Entlastung nicht nur angekündigt, sondern im Arbeitsalltag messbar wird.

Foto © Holm Helis; v.l.n.r. Finanzstaatssekretär Sebastian Hecht, Hans-Joachim Kraatz (Präsident Steuerberaterverband Sachsen e.V.) und Alexander Dierks, Präsident des Sächsischen Landtages

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