„Eine aktuelle Umfrage des Tourismusverbandes Dresden unter seinen rund 100 Mitgliedsunternehmen zeigt erfreulicherweise ein großes Interesse an Ausbildungsberufen in Hotellerie und Gastronomie und auch der Kochberuf ist inzwischen wieder sehr gefragt“, so Sebastian Klink, Vorsitzender des Verbandes und selbst als Direktor des Bilderberg Hotels Bellevue von diesem sehr positiven Trend betroffen.
„Ich freue mich sehr über die sehr guten Nachrichten vom Ausbildungsmarkt der Dresdner Tourismusbranche, denn unsere Hotels und gastronomischen Betriebe berichten in diesem Jahr von einem ausgesprochen großen Interesse junger Menschen an einer Ausbildung“, so Klink weiter. Im Rahmen einer aktuellen Umfrage hat der Tourismusverband Dresden e. V. (TVDD) seine Mitgliedsunternehmen angeschrieben, darunter insbesondere Hotels, aber auch gastronomische Einrichtungen, Museen, Veranstalter und sonstige touristische Dienstleister. Die Rückmeldungen zeichnen ein nahezu einheitliches Bild, „denn so viele und zugleich auch so überwiegend gute Bewerbungen hat es in vielen Betrieben seit Jahren nicht gegeben“, ergänzt Martin Raich, Generalmanager des Hilton Dresden, der in den letzten zwei Wochen allein 14 neue Auszubildende eingestellt hat.
Die gerade veröffentlichten Zahlen der Industrie- und Handelskammer Dresden unterstreichen das weiterhin hohe Ausbildungsniveau in der Branche. Zum 31. Juli 2026 waren in den Ausbildungsberufen Gastronomie, Hotellerie und Tourismus insgesamt 526 neue Ausbildungsverträge eingetragen. Damit liegt das laufende Ausbildungsjahr zwar unter dem sehr starken Vorjahreswert von 558 Verträgen, aber weiterhin deutlich über den Vergleichswerten von 2022 mit 390, 2023 mit 413 und 2024 mit 478 Verträgen. „Die Rückmeldungen unserer Mitgliedsunternehmen sind wirklich erfreulich. Viele Hotels berichten uns, dass sie in diesem Jahr nicht nur besonders viele Bewerbungen erhalten haben, sondern dass auch die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber ausgesprochen hoch ist. Das ist nach den schwierigen Jahren bei der Nachwuchsgewinnung ein sehr positives Signal für unsere Branche“, so Diana Maatz, ebenfalls Vorstandsmitglied des TVDD.
Besonders bemerkenswert ist aus Sicht des Vorstandes, dass sich das Interesse keineswegs auf einzelne Berufsbilder beschränkt. Die Palette reicht vom Hotelfach über Hotelmanagement, Restaurant- und Veranstaltungsgastronomie und Systemgastronomie bis hin zu Küche, aber auch Tourismus und Freizeit. Allein für den Beruf Koch/Köchin weist die IHK Dresden aktuell 186 neue Ausbildungsverträge aus. Bei der Fachkraft Küche sind es 29, bei Hotelfachleuten 102 und bei Fachleuten für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie sogar 135 Verträge. Gerade die gute Nachfrage nach dem Kochberuf fällt den Unternehmen auf. Ein Berufsbild, das über Jahre zu den besonders schwierig zu besetzenden Ausbildungsberufen zählte, scheint bei Jugendlichen wieder an Attraktivität zu gewinnen. Einen Anteil daran könnte auch die starke Präsenz von Kochshows im Fernsehen, verschiedenen Streamingformaten und in den sozialen Medien haben. Dort wird der Beruf zunehmend als kreativ, handwerklich anspruchsvoll und abwechslungsreich beschrieben und vermittelt den Eindruck, nicht unbedingt durch KI ersetzt werden zu können.
Stephan Becker, Direktor des Gewandhaus Dresden, Autograph Collection, und Vorsitzender der Dresdner Hotelallianz, bestätigt die positive Entwicklung: „Wir erleben in diesem Jahr nicht nur eine erfreulich große Zahl an Bewerbungen, sondern auch eine gute Qualität. Viele junge Menschen setzen sich sehr bewusst mit den Berufen auseinander und wissen, warum sie in die Hotellerie oder Gastronomie möchten. Besonders schön ist für uns, dass wir in unserem Kuchen-Atelier in diesem Jahr sogar eine angehende Konditorin begrüßen können. Das zeigt, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten in einem Hotel heute sind.“ Diese Vielfalt reicht weit über die klassischen Bilder von Rezeption, Restaurant und Küche hinaus. Neben Hotelfachleuten, Köchinnen und Köchen oder Fachkräften für Gastronomie werden unter anderem Kaufleute für Hotelmanagement, Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie, Fachkräfte Küche sowie Kaufleute für Tourismus und Freizeit beziehungsweise Tourismuskaufleute ausgebildet.
Hinzu kommt eine zunehmend internationale Zusammensetzung der Auszubildenden. Nach Einschätzung von Axel Klein, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Sachsen, ist der Anteil ausländischer Bewerberinnen und Bewerber hoch. Sie sind im Durchschnitt häufig etwas älter als deutsche Schulabgänger und kommen unter anderem aus Vietnam, Nepal, Venezuela, Albanien und der Ukraine. Für viele Betriebe sind internationale Nachwuchskräfte inzwischen ein wichtiger Bestandteil ihrer Ausbildungs- und Fachkräftestrategie. „Tourismus lebt von Menschen, von Gastfreundschaft und von ganz unterschiedlichen Talenten und Lebenswegen. Deshalb ist es eine große Chance, wenn sich sowohl junge Menschen aus Dresden und der Region als auch Bewerberinnen und Bewerber aus anderen Ländern bewusst für unsere Branche entscheiden“, so Klink weiter.
Für den Tourismusverband ist der aktuelle Zuspruch dennoch kein Grund, bei der Nachwuchsgewinnung nachzulassen. Gute Ausbildungsbedingungen, eine intensive Betreuung, Praktika und frühzeitige Berufsorientierung bleiben entscheidend. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass die Anstrengungen der vergangenen Jahre Wirkung entfalten. „Wir erleben gerade, dass Berufe in Hotellerie und Gastronomie wieder stärker als das wahrgenommen werden, was sie sind – abwechslungsreiche Berufe mit viel Kontakt zu Menschen, internationalen Perspektiven, sehr unterschiedlichen Karrierewegen und auch nicht in Gefahr, kurzfristig durch KI ersetzt zu werden. Auch das ist inzwischen für viele Bewerber ein Argument für die Berufswahl in unserer Branche. Diesen Schwung müssen wir jetzt mitnehmen“, so Martin Raich abschließend.