Seit rund 25 Jahren arbeitet man am Freiberger Käthe-Kollwitz-Förderzentrum mit dem sächsischen Künstler Michael Fischer-Art zusammen. Waren es anfangs noch Kunstblätter im Unterricht, wurde vor 20 Jahren bereits damit begonnen, das Innere der Schule künstlerisch zu gestalten. „Irgendwann kam dann die Idee auf, doch das Schulgebäude mit einer typischen Michael-Fischer-Art-Bemalung zu gestalten“, informiert Anja Schmidt, Lehrerin und Projektleiterin am Käthe-Kollwitz-Förderzentrum.
Das Besondere am Projekt ist, dass der Künstler nicht allein arbeitet, sondern immer Schüler mit auf dem Gerüst hat. Gemeinsames Gestalten steht an vorderster Stelle. Fischer-Art macht das übrigens ohne Vergütung. „Ich habe ursprünglich Pfleger in der Psychiatrie gelernt. Insofern bin ich abgehärtet und komme dann auch mal mit 25 Kindern auf dem Gerüst klar, die mit mir gemeinsam malen wollen. Klar brauche ich dann zuhause angekommen wieder eine Weile zum Runterkommen, aber es ist für mich in Freiberg immer ein spannendes Miteinander“, sagt Fischer-Art, für den das Käthe-Kollwitz-Förderzentrum die sauberste Schule ist, die er je besucht hat und die ihn immer wieder begeistert.
Da das Bemalen der Fassade nur mittels Eigenleistungen und Spenden möglich ist, hat man die Aktion in vier Bauabschnitte eingeteilt. Passend zur Silberstadt Freiberg geht es bei der Gestaltung auch um das Thema Bergbau und die Außenwand soll sich als Schachteingang entsprechend des Logos des „Welterbe Montanregion Erzgebirge e.V.“ entpuppen. Deren Geschäftsführer Steve Ittershagen freut sich, dass dieser Verein über seinen Kleinprojektfonds das Projekt mit unterstützen kann. „Freiberg gehört zum Welterbe und das darf man auch zeigen – getreu dem Projektmotto ‚Tradition trifft Moderne‘“, so Ittershagen.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erkannte bei der Einweihung des Trashstone 689 im Gespräch mit Anja Schmidt auf den Bildern ihres Handys die Fischer-Art-Handschrift. Aufgrund der Lage der Schule empfahl er, das Projekt beim Purple Path der Kulturhauptstadt Chemnitz anzumelden. „Leider war es zu spät für eine Teilnahme während der Hauptprojektzeit, aber der Purple Path bleibt ja erhalten und dabei ist jetzt unsere Schule das größte Purple-Path-Kunstwerk“, so Schmidt weiter.
Damit aber überhaupt die Fassade bemalt werden konnte, wurde ein Gerüst benötigt. Mit der Roßweiner „Gemeinhardt Service GmbH“ fand man den richtigen Partner. „Unser Unternehmen steht zwar in allererster Linie für den deutschlandweiten Spezialgerüstbau, aber für unsere aktuell elf Auszubildende ist es notwendig, dass diese vor allem erstmal auch die Grundlagen des Gerüstbaus kennenlernen. Und wenn wir daher aus dem Kreis Mittelsachsen einen solchen Auftrag bekommen, versuchen wir es als Azubiprojekt durchzuziehen“, verrät Gemeinhardt-Geschäftsführer Ingolf Stuber. „Bei einem solchen Projekt planen die Auszubildenden alles komplett allein, befüllen den LKW mit dem Gerüstmaterial und bauen das Gerüst auch komplett allein auf, in diesem Fall innerhalb von zwei Tagen – aber immer unter unserem wachsamen Auge, schließlich müssen wir für alles geradestehen“, ergänzt Gemeinhardt-Ausbilder Marcus Muschke.
„Wir freuen uns, wieder etwas Positives für unsere Heimat geleistet zu haben. Schüler standen dabei auf dem Gerüst über zehn Meter über der Straße – wenn es ihnen gefallen hat, denken sie vielleicht bei der Berufswahl dabei wieder daran und vor allem auch an uns“, so Stuber abschließend.